MindER

Röntgenkontrastmittel (RKM) sind Hilfsstoffe für die Untersuchung innerer Organe und Gefäße in der Radiologie. Sie werden für radiologische Untersuchungen von Weichteilgewebe verabreicht und nach der Untersuchung nahezu unverändert wieder ausgeschieden. RKM passieren auch die Kläranlage nahezu unbeeinflusst und werden seit Jahren in allen Teilen der aquatischen Umwelt nachgewiesen. Der tendenziell steigende Verbrauch, die Löslichkeit, Stabilität und Polarität lässt eine Zunahme der Frachten in Gewässern aber auch über Uferfiltration im Grundwasser erwarten.

Röntgenkontrastmittel werden im Unterschied zu therapeutischen Arzneimitteln als biologisch inaktive Substanzen entwickelt. Die Ökotoxizität von RKM wird bislang als relativ gering eingeschätzt. Aufgrund des hohen und tendenziell steigenden Verbrauchs, ihrer Löslichkeit, Polarität und Stabilität werden sie inzwischen aber in vielen Oberflächengewässern und teilweise auch im Trinkwasser nachgewiesen. Vorsorgendes Handeln ist daher angezeigt. In Kläranlagen werden sie auch mit 4. Reinigungsstufe nur unzureichend entfernt.

Um die Emission von Arzneimitteln in die Umwelt zu verhindern, stehen verschiedene präventive und additive Maßnahmen zur Verfügung. RKM werden ausschließlich in Gesundheitseinrichtungen verabreicht und vom menschlichen Körper innerhalb von 24 Stunden vorwiegend über den Urin nahezu unverändert wieder ausgeschieden. Diese Eigenschaften prädestinieren RKM für die dezentrale Erfassung des Patientenurins zur Vermeidung einer Emission in Gewässer. Von den verschiedenen Möglichkeiten wurde im Vorläuferprojekt MindER1 die Erfassung mittels Urinbeuteln untersucht.

Die Akzeptanz und Nutzung der Systeme durch Personal und Patienten spielen eine entscheidende Rolle. Aus psychologischer Perspektive werden die Akzeptanz neuer Konzepte durch verschiedene Einflussfaktoren, wie z. B. wahrgenommene Vorteile im Vergleich zu bestehenden Konzepten, wahrgenommene Schwierigkeit der Nutzung sowie die Kompatibilität mit eigenen Bedürfnissen und Anforderungen beeinflusst. Die Ergebnisse aus MindER1 lassen erwarten, dass mit der dezentralen Sammlung über Urinbeutel etwa 20-30 % der Patienten zu erreichen sind. Eine Empfehlung aus MindER1 ist es, niederschwellige Maßnahmen miteinander zu kombinieren um so die Effektivität der Vermeidungsstrategien zu optimieren.

In MindER2 soll daher die Erfassung über separate Toiletten bzw. Urinale (in Kombination mit Urinbeuteln) untersucht werden. Für die Sammeltoiletten stehen verschiedene Toilettentechniken zur Verfügung, die im Rahmen des Projektes auf Praktikabilität (sowohl für Patienten als auch für die notwendige Logistik) untersucht werden sollen.

Das Informationskonzept für medizinisches Personal und Patienten wird individuell zugeschnitten. Ein wesentlicher Aspekt ist wie schon beim Vorläuferprojekt die begleitende Öffentlichkeitsarbeit. Sie soll einerseits die Relevanz des Projektes unterstreichen, ist aber gleichzeitig ein Instrument, mit dem der öffentliche Diskurs und das allgemeine Bewusstsein im Umgang mit Problemstoffen unterstützt werden sollen.

Das Projekt wird in der Uniklinik Ulm umgesetzt. Die dortigen Akteure in der ambulanten Radiologie sind in die grundsätzliche Thematik durch das Vorläuferprojekt schon eingeführt, so dass direkt an den Erfahrungen und Ergebnissen angeknüpft werden kann.


Laufzeit MindER1: 01.01.2015 bis 30.06.2016

Laufzeit MindER2: 01.08.2017 bis 30.01.2019

Gefördert mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg

Aktuelles

 
  • 25.10.2017  DWA-Landesverbandstagung 2017

    Die Ergebnisse aus MindER1 wurden am 13.10.2017 auf der DWA-Landesverbandstagung Baden-Württemberg in Fellbach vorgestellt.

  • 21.06.2017  MindER1 Endbericht Zusammenfassung

    Die Zusammenfassung des Endberichts liegt vor.

  • 17.02.2017  Arzneimittelworkshop

    MindER1 wurde beim 5. Workshop Arzneimittelwirkstoffe in der aquatischen Umwelt des baden-württembergischen Umweltministeriums in Stuttgart vorgestellt.

 
 

MindER wird gefördert vom

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und durchgeführt vom

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